aktuellste Version der Spezifikation

Systemspezifisches Konzept E-Rezept

Urheber: gematik GmbH
Version: 1.0.0
Veröffentlichungsdatum: 08.06.2020
Schlagworte: Festlegung der gematik  // Telematikinfrastruktur
Stellungnahmen: 2
Bewertungen der gematik: 1

Beschreibung

Das Dokument beschreibt die systemspezifische Lösung der Fachanwendung E-Rezept.In diesem systemspezifischen Konzept werden insbesondere die Komponenten der Lösung von E-Rezept sowie ihre Schnittstellen untereinander und mit der Telematikinfrastruktur-Plattform beschrieben. Dieses Dokument bildet somit die Grundlage für die Spezifikationen, Produkttyp- und Anbietersteckbriefe der Komponenten der Fachanwendung E-Rezept.

Das Dokument ist ein Bestandteil des Dokumentenpakets der gematik und enthält technische und semantische Anforderungen zur Nutzung in Anwendungen nach den §§ 291 und 291a Absatz 1 SGB V. Die enthaltenen Anforderungen werden entsprechend der über die Dokumentenlandkarte und Produkttypsteckbriefe auf der Webseite der gematik (www.gematik.de) geregelten Verbindlichkeit in Zulassungs- und Bestätigungsverfahren der gematik geprüft.

Mit dem Release 4.0.0 werden folgende wesentliche Erweiterungen der TI eingeführt:
- Erweiterung der Fachanwendung ePA (Stufe 2), 
- Erweiterung der Fachanwendung KIM (Stufe 1.5), 
- Einführung der Fachanwendung E-Rezept.

Bewertungen der gematik

  • Die gematik beabsichtigt diese Festlegung in vesta aufzunehmen.
    Im Releaseprozess der gematik wurde die vorliegende Festlegung auf Interoperabilität zu gematik Dokumenten sowie zu weiteren, zum Stand 08.11.2019, bereits in vesta enthaltenen Interoperabilitätsfestlegungen geprüft. Aus Sicht der gematik ist die vorliegende Festlegung mit den bereits in vesta eingetragenen Interoperabilitätsfestlegungen interoperabel.

Stellungnahmen

  • Viele Festlegungen im Systemspezifischen Konzept E-Rezept sind NICHT interoperabel mit den bisherigen Festlegungen der Gematik. Das ist gut so. Die Gematik vollzieht mit dem E-Rezept einen technologischen und strategischen Paradigmenwechsel. Statt dem komplizierten SOAP wird das moderne und einfachere FHIR verwendet. Auf ein Fachmodul im Konnektor wird verzichtet, das senkt enorm die Komplexität des Konnektors ohne die Sicherheit substantiell zu reduzieren. Statt WS-Security/SOAP wird openID Connect genutzt. Die NFC-eGK soll für die Authentifizierung der Versicherten bei ihren mobilen Geräten eingesetzt werden. Damit modernisiert die Gematik ihre technologische Basis und dürfte den Implementierungsaufwand und die Kosten senken sowie die Weg ebnen, damit Apps in den "Frontends der Versicherten" verschiedener Anwendungen entwickelt werden können. Es wird empfohlen, dass diese neue technologische Basis im Sinne eines Migrationspfads auch bei allen anderen Anwendungen Einzug hält.

    Auf der anderer Seite wird das Paradigma der Ende-zu-Ende Verschlüsselung hier aufgegeben, zugunsten einer Verarbeitung in der VAU. Für die ePA ist der Einsatz der VAU fachlich motiviert (Suche in den Metadaten), beim E-Rezept nicht. Der wesentliche Aspekt dieser Entscheidung ist, dass eRezepte innerhalb der VAU mit Hilfe von Software verarbeitet werden können. Es ist aber nicht ersichtlich, welche Verarbeitung überhaupt bei eRezepten sinnvoll und insbesondere legitim wäre. Dieser Punkt tangiert zwar nicht die Interoperabilität, könnte jedoch für die Akzeptanz der Pflichtanwendung E-Rezept kritisch werden.

  • Das vorliegende Konzept E-Rezept setzt - wie im ebenfalls zur Kommentierung vorliegenden Datenmodell ausgewiesen - den existierenden "Papierprozess" der Muster 16-Rezepte mit einer digitalen Abwicklung um und ermöglicht eine innovative, patientenzentrierte Logistik. Es werden jedoch keinerlei "Andockoptionen" für die Prozesse des durch mehrere EU-Richtlinien zukünftig zwingend vorgegebenen grenzüberschreitenden e-Rezepts erwähnt. Insbesondere sieht das europäische e-Rezept auch eine eDispensations-Nachricht vor, die für Rezeptnutzer aus anderen Mitgliedsstaaten zwingend sein könnte, vgl. GUIDELINE on the electronic exchange of health data under CrossBorder Directive 2011/24/EU - Release 2 - ePrescriptions and eDispensations (https://ec.europa.eu/health/sites/health/files/ehealth/docs/ev_20161121_co091_en.pdf)

    Die Umsetzung des Muster 16-Datensatzes sieht offenbar - auch perspektivisch - nicht die optionale Erweiterung um Felder wie die generische Substanzbenennung (aktives Agens) der verordneten Medikamente vor. Diese ist jedoch bei der Implementierung der o.g. Leitlinie zur Umsetzung der EU-Richtlinien vorgesehen, vgl. ec.europa.eu/cefdigital/wiki/display/EHOPERATIONS/06.01.+Create+the+eHDSI+ePrescription%28s%29+content für den aktuellen Planungsstand.

    Ein entsprechendes Migrationskonzept wäre wünschenswert für die Zukunftsicherheit der TI.